Wie wir dem Regenmonster trotzten: Lichterzauber in der Oberen Stadt

Wie kann die Obere Stadt in Weilheim belebt werden? Was passt zu diesem besonderen Flair aus vielfältigen Spezialgeschäften, Künstlern, Dienstleistern, Handwerkern, Bistro-Cafe und Traditionsgaststätte?

Mit diesen Fragen und großer kreativer Energie trafen sich drei Oberstadtler Unternehmerinnen in meinem Atelier im Sommer 2016: Gabriele Friederichs – Haut & Natur, Andrea Strobel – Strobel Druck und Friederike Ziesmer, Heilpraktikerin. Unser großer Wunsch war, die Obere Stadt mit einer eigenen Aktion an den Weilheimer Feierlichkeiten zu “4o Jahre Fußgängerzone” zu beteiligen.

Fackeln und Teelichte säumen das Ufer

Der Lichterzauber – von allen guten Geistern begleitet

Friederikes spontane Idee, mit Kerzen und Fackeln die Obere Stadt zum Leuchten zu bringen, fand sofort allgemeine Zustimmung. Ich übernahm die gestalterische Planung und organisatorische Leitung und spürte sehr schnell, dass uns gute Geister beistanden. Die Gemeinwohl zertifizierte Herzogsägmühle konnte ich als Partner für ökologische Kerzen und Fackeln gewinnen, die Standortbeauftrage der Stadt Weilheim, Jutta Liebmann, unterstützte uns mit allen Kräften und die Oberstadtler Anwohner und Geschäfte waren fast ausnahmslos begeistert und machten die Aktion durch großzügige Spenden für das Fackel- und Kerzenmaterial möglich. Spätestens nach meiner nächtlichen Fotosession mit Teelichtern, Fackeln, Lichtkonserven und Friederike am Stadtbach nahm unser Projekt richtig Fahrt auf. Alois Jobst, Wirt vom Oberbräu, beobachtete unser Tun und sagte spontan seine volle Unterstützung zu. Auch Echter-Moden trug mit einer großzügigen Sachspende bei und regelte den Verkauf der Mitmachsets, die eigens für diesen Abend von der Herzogsägmühle zusammen gestellt worden waren.

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Für unsere Idee, Schwimmkerzen als Wunschlichter über den Stadtbach schwimmen zu lassen, entpuppten sich die Weilheimer Stadtwerke unter Peter Müller als kompetenter Lösungspartner und entwickelten eine Konstruktion, um die störende Staustufe an der Kneippanlage zu entschärfen. Der Weilheimer Musiker Robin Zellner (Handpan) erklärte sich spontan bereit, gegen Hutgeld einen musikalischen Beitrag zu leisten und Tom Kratz erweiterte den Aktionsradius seiner Künstler der parallel in der Innenstadt stattfindenden Zaubernacht auf die zweite Brücke in der Oberen Stadt. Das Bistro “Plan C” und  der Oberbräu sorgten für eine hervorragende Bewirtung vor Ort und kreierten eigene “Lichterzauber-Specials”.

Der 16. September – das Regenmonster fordert die guten Geister heraus

Nach vier Wochen schönem Wetter passierte das, was als Horrorszenario über jeder Freiluftveranstaltung in unseren Breitengraden schwebt: erst schwarze Wolken, dann Regenschauer und schließlich extremer Starkregen. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt bereits alle Fackeln und Teelichte positioniert und teilweise angezündet. Als in den herabstürzenden Wassermassen selbst die Flammen der großen Licktkonserven verloschen, schien für uns eine Vision im letzten Moment zusammenzubrechen.  Die Wetterprognosen waren sich einig: durchschnittlich 96% Regenwahrscheinlichkeit für die nächsten Stunden.

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Wir zogen uns in mein Atelier in der Oberen Stadt zurück und bearbeiteten unsere Frustration und Trauer in einer meditativen, fast magischen Sitzung. Nach gut 10 Minuten geschah das Wunder: das Regenrauschen wurde leiser und leiser, bis es aufhörte. Wir gingen nach draußen. Ungläubig betrachteten wie die chaotische Situation und erfuhren vom Veranstalter in der Innenstadt, dass die Musiker und Kleinkünstler sich an überdachte Orte zurückgezogen hatten. Die geplanten Auftritte an der Brücke am Stadtbach konnten somit nicht mehr durchgeführt werden. Als ich die in Reihen aufgestellten Fackelhalter nun sah, dachte ich “jetzt oder nie” und beschloss, einen erneuten Anlauf zu machen und zumindest eine kleine Variante unseres Lichterzaubers zu verwirklichen. Und es gelang uns tatsächlich mit großem Energieaufwand in einem Regenloch von ca. 60 Minuten folgendes Programm zu realisieren.

Die Obere Stadt erstrahlte

  • Zwei Reihen Fackeln, Lichtkonserven und Teelichte tauchten beide Seiten des Stadtbachs in eine zauberhafte Lichtstimmung.
  • Anwohner und Besucher fügten Teelichte in Gläsern hinzu.
  • Eine gute Stunde später als geplant erfüllte Wunschfee Friederike Lichterwünsche der Besucher an der Kneippanlage. Robin Zeitler sorgte mit seiner Handpan für eine warmherzige, zauberhafte Stimmung. Friederike ließ die Schwimmkerzen ins Wasser, die dann in gemütlicher Fahrt auf dem Stadtbach leuchteten, und der erneut eintretende Regen konnte den Lichterwunsch nicht mehr stoppen.

 

Das Szenario zog immer mehr Besucher an den Stadtbach und die Kneippanlage. An die 40 Gäste des Oberbräu standen geschlossen vor der Türe und applaudierten zu unserem Durchhaltevermögen. Die vielen begeisterten Rückmeldungen der Menschen am Stadtbach bestätigten: Mein Lichterkonzept und die Verbindung mit den Wunschlichtern als Gesamtkunstwerk passt bestens in die Obere Stadt. “… nur so schade wegen des Regens” war der häufigste Nachsatz des Abends. So sind wir uns sicher: das war nicht der letzte Lichterzauber in der Oberen Stadt, denn es war magisch.

Fotoimpressionen von Cati Gryska:

Fotoimpressonen von David Tschui:

Unser Kernteam:
Frank Fischer, Atelier Frank Fischer, Obere Stadt 8, 0881 12 88 83 90 (Konzeption und Leitung)
Friederike Ziesmer, Heilpraktikerin, Rathauspl. 21, 0881 12 23 98 04 (Wunschfee)
Gabriele Diederichs, Haut & Natur, Rathausplatz 14, 0881 92 77 44 84
Andrea Strobel, Strobel-Druck, Petelgasse 1, 0881 924 92 40 (Drucke)

Wachsmanufaktur Herzogsägmühle:
Marc Sieling, Werkstraße 7, 86971 Peiting, 8861 21 94 63