Bildrauschen – eine Reise zur Wahr-Nehmung

“Wir haben verlernt, die Augen auf etwas ruhen zu lassen. Deshalb erkennen wir so wenig.” Jean Giorno

“Jedes Bild, jede Installation, Geschriebenes, Werbetexte, es ist magisches Tun, auch wenn es viele weit von sich weisen würden.” Cambra Skadé

“We all shine on, like the moon and the stars and the sun” John Lennon, Instant Karma

Drei Zitate, die umreißen, was mich bewegt, wenn ich Kunst mache. Mein Projekt “Bildrauschen” habe ich 2010 begonnen und es umfasst inzwischen klein- und großformatige Zeichnungen und Gemälde, Videos und Live-Performances. Entstanden ist es aus der Selbstbeobachtung.

Bildrauschen "Vom Licht berührt" (2015), 250 x 200 cm

Bildrauschen “Vom Licht berührt” (2015), 250 x 200 cm

Es begann damit, dass ich meine Zeichen auf Papier malte und spielerisch immer mehr Schichten übereinander legte. Das führte mich in einen immer meditativeren Zustand, bis ich inne hielt und nur noch beobachtete. Vorausgegangen war an diesem Tag eine kleine Erledigung in der Münchner Innenstadt. Ich war von dem großstädtischen Tempo, dem Lärm, den unzähligen visuellen Eindrucken und der hektischen Energiedichte nach kurzer Zeit derart geplättet, dass ich so schnell wie möglich wieder zurück in mein Atelier an den Stadtrand verschwand. Dabei habe ich mich als geborener Münchner viel und gerne in der Innenstadt aufgehalten. Jetzt aber war mein visueller Kanal – in der Regel sehr offen und immer auf “Breitband” laufend – überreizt. Bei meiner Schichtenmalerei im Atelier verfolgte ich lustvoll, wie mit jeder weiteren Schicht das Gesambild immer komplexer, filigraner und abstrakter wurde. Die einzelnen Zeichen lösten sich Schritt für Schritt auf – “Bildrauschen” war entstanden.

"Magische Lichtspiele" (2009), 102 x 74 cm

“Magische Lichtspiele” (2009), 102 x 74 cm

In meinen “Magischen Bildern”, sind die Zeichen mehr oder weniger vollständig sichtbar und werden von Kunden und Besuchern mit unterschiedlichsten Assoziationen verbunden: Höhlenmalerei, Figuren, Tiere, chinesische Zeichen, Heilzeichen. In der Serie “Bildrauschen” verliert sich dieser assoziative Zugang: das visuelle Wahrnehmungssystem wird ausgeknockt. Es ist eine Visualisierung von “Stack Overflow”, eine künstlerisch-ästhetische Interpretation des visuellen Lärms, der uns umgibt, wenn wir uns in den Städten, in den Medien und nicht in der Natur aufhalten.

Wassermeditationen "Isarflimmern 17"

Wassermeditationen “Isarflimmern 17”

Die heilende Wirkung, wenn wir uns in der Natur aufhalten, habe ich in den verschiedenen Fotoprojekten – “Liebeserklärung an den Landschaftspark”, “Yoga im Landschaftspark”, “Wassermeditationen” – zum Thema gemacht. Jedes Foto der Serie Wassermeditationen trägt diese Energie in sich. Die Bewegtheit  frei fließenden Wassers, die Ruhe der Steine und das Lichtspiel der Sonne fügen sich zu einem fortwährenden Naturschauspiel. In meinen Fotografien halte ich diese Magie des Moments fest.

“Bildrauschen” ist zwar reine Abstraktion, wirkt aber genauso. Beim Betrachten kann die Überlastung des kognitiven, visuellen Kanals  langsam abgebaut werden. Für diese Verinnerlichung braucht es Ruhe, Zeit und Aufmerksamkeit. Doch dazu muss man auch bereit sein, gewohnte Wege der alltäglichen Taktung zu verlassen und mit dem Auge beginnen zu erforschen, zu entdecken, offen zu sein wie ein Kind. Was dann geschieht ist Kontemplation.

Bildrauschen "Sich zeigen und wachsen" (2015) 250 x 200 cm, Vernissage Dance Spirit

Bildrauschen “Sich zeigen und wachsen” (2015) 250 x 200 cm, Vernissage Dance Spirit

Bei der Ausstellung “Bildrauschen – Vom Schauen zum Betrachten” im DanceSpirit in München hängte ich folgende “Bedienungsanleitung” auf:

Kontemplative Bildbetrachtung

Gehe zu dem Bild, das Dich spontan anspricht.
Wenn Du Dich fragst „was sehe ich“, „was bedeutet das,“ „was will der Künstler damit sagen“, lass die Frage vorüber ziehen. Beobachte wie Deine Augen in Bewegung sind. Wenn Dein Blick an einem Detail hängen bleibt, lass ihn wieder weiter ziehen. Wenn Deine Augen das Bild durchwandert haben, lass sie zur Ruhe kommen. Dein Blick darf gerne etwas verschwimmen. Achte nun auf Deine Atmung und auf Deine
Körperwahrnehmung. Lausche in Dich hinein während Du das Bild betrachtest.
Alles was jetzt auftaucht, ist Deine Wahrheit. Selbst das Nichts. Jetzt bist Du in Deiner Wahr-Nehmung.

Links:

Online-Galerie “Bildrauschen”

Bildrauschen bei Saatchi-Art

Homepage “Wassermeditationen”

Videoinstallation “Von Baum zu Baum”

freifrank.de